San Sperate – Künstlerdorf und Freilichtmuseum

Manche Orte auf Sardinien sind von unwirklicher Schönheit – San Sperate gehört mit großer Sicherheit dazu. Der Ort ist weithin bekannt für seine kunstvolle Ausstattung. Was hat es damit auf sich?

Das besondere: San Sperate ist keine Kolonie von Künstlern, die sich von außerhalb angesiedelt haben. Nein, die Einwohner des Dorfes selbst sind es, die sich als Bildhauer, Maler, Töpfer und Schauspieler betätigen. Die Kunst liegt den Menschen von San Sperate offenbar im Blut.

Murales in San Sperate
Murales in San Sperate

San Sperate mit seinen eben 8000 Einwohnern liegt nur 20 Kilometer nordwestlich von Cagliari inmitten blühender Landschaften – in der fruchtbaren Ebene werden Orangen, Zitronen, Tomaten, Getreide und Pfirsiche angebaut. Sie gedeihen prächtig, wie die im Frühjahr von einem wahren Blütenmeer gesäumte Straße von Cagliari nach San Sperate verrät.
Schon am Ortseingang wird deutlich, dass hier etwas besonderes stattfindet. Hier zieren verschiedene Murales, eine sardische Form des Wandgemäldes, die Häuserfronten. Innerhalb der Ortschaft verfestigt sich der erste Eindruck. Gärten und Plätze werden geziert durch ganz verschiedene Installationen, Plastiken und geschriebene Gedichte.

Pinuccio Sciola und die künstlerischeTradition in San Sperate

Die künstlerische Tradition von San Sperate geht auf Pinuccio Sciola (1942 – 2016) zurück. Schon als junger Mann begann er damit, Skulpturen aus Stein zu fertigen. 1968 malte er die ersten Murales, die er nach lateinamerikanischen Vorbild aus Protest gegen herrschende politische Verhältnisse inszenierte. Im Ort erhielt er regen Zuspruch – mit der Hilfe der Einwohner entstanden bisher hunderte der Wandbilder. Die Murales inspirierten auch die Menschen in Orgosolo, sich in ganz ähnlicher Weise zu betätigen. Erst in den späten 90er Jahren fing er dann an, seine bekannten “musikalischen Steine” zu fertigen.

Murales in San Sperate
Murales in San Sperate

Die Arbeiten von Pinuccio Sciola können Sie besichtigen:

  • Der Klanggarten Giardino Sonoro wurde von Pinuccio Sciola geschaffen, der als berühmtester Sohn des Ortes gilt. Zum Teil meterhohe Skulpturen aus Stein wurden so bearbeitet, dass jede von ihnen einen ganz eigenen Klang hervorbringt, wenn der geneigte Besucher mit seinen Fingern über die Steine streicht.
    Adresse: Via Oriana Fallaci; Google-Maps Link
  • Eine ebenfalls lohnende Adresse ist der Hof von Pinuccio Sciola, der ganz aus Lehmziegeln gebaut ist. Verborgen hinter einer hohen Mauer erwarten den Besucher auch hier eine Vielzahl von Skulpturen, die alle aus Stein gefertigt sind – das liebste Material des Künstlers.
    Adresse: Via E. Marongiu, 21; Google-Maps Link
Vorführung im Klanggarten San Sperate
Vorführung im Klanggarten San Sperate

Weitere Sehenswürdigkeiten in San Sperate

Zwar ist der ganze Ort eine einzige Sehenswürdigkeit, aber ein paar Anlaufstellen seien doch hervorgehoben:

  • Die Austellung von Giampaolo Mameli ist ebenfalls sehenswert. Der international angesehene Künstler stellt Keramiken her, die von archaischen Kultbildern inspiriert sind.
    Adresse: Via Decimo 107, Google-Maps Link
  • Mauro Cabboi ist ebenfalls auf Keramik spezialisiert – er stellt abstrakte Figuren aus Terrakotta her. Seine Arbeiten sind in der Via Roma 15 (Google-Maps Link) im Museo del Crudo zu sehen.
  • Raffaele Muscas ist Maler und Bildhauer. Seine Leidenschaft gilt üppigen Figuren, die er in seinem Atelier in der  Via Palmiro Togliatti 10 (Google-Maps Link) herstellt.
Murales in San Sperate
Murales in San Sperate

Tipp: Das Sagra delle Pesche in San Sperate

Mitte Juli lockt der Ort zahlreiche Besucher zum großen Pfirsich-Fest Sagra delle Pesche. Neben Musik und festlichen Prozessionen prägen typische Trachten und allerlei Folklore das Fest. Dazu wird reichlich aufgetischt – und zwar nicht nur Pfirsiche. Besonders interessant: Diverse Häuser und Gemeindegebäude stehen Besuchern als Ausstellungsräume offen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.