Die Giara di Gesturi – Wildpferde und Korkeichen

In der geographischen Inselmitte thront ein felsiges Hochplateau wie ein steinerner Wächter über der Weite des Hinterlandes. Diese Fläche aus dauerhaftem Basaltstein heißt Parco della Giara und gehört mit seiner riesigen Ausdehnung zu mehreren Gemeinden. Eine dieser Gemeinden ist Gesturi – weil der Zugang von hier aus recht einfach ist und sich am großen Parkplatz eine Art Haupteingang entwickelt hat, wird die Hochebene heute auch als Giara di Gesturi bezeichnet.

Die Basaltfläche liegt in 550 Metern Höhe und ist nahezu ebenmäßig ohne größere Senken und Höhen. Durchschnittlich ist sie 12 Kilometer lang, 5 Kilometer breit und kommt so auf eine Fläche von 43 km².

Umgeben ist die Hochebene von mehr als 20 Nuraghen, die auf eine große Bedeutung der Fläche für die frühe Kultur hinweisen. Wahrscheinlich ist, dass sie eine mythische Bedeutung für die Hochkultur der Nuraghen hatte. Die Nuraghe Brunku Madagui geht gar auf eine vor-nuraghische Kultur zurück und datiert in die Bronzezeit.

Die Pferde der Giara di Gesturi

Die größte Sehenswürdigkeit und Anziehungspunkt für viele Besucher sind indes die Pferde, die hier in relativer Freiheit leben. Die Cavallini della Giara bilden eine eigene Rasse, die nur an diesem Ort leben und auf der Hochebene gezüchtet werden. Des Weiteren ist der dichte Bestand von Korkeichen erwähnenswert, die hier auf der Hochebene perfekte Bedingungen vorfinden. Daneben komme mehrere Eidechsen-Arten und Heuschrecken häufig vor. Überdies können Sie Mistkäfer beobachten, die den Dung der Pferde offensichtlich lieben.

Mistkäfer lieben Pferdeäpfel
Mistkäfer lieben Pferdeäpfel

Zwei Tipps für Ihren Besuch:

Wer möglichst viel von der Hochebene Giara di Gesturi sehen möchte, dem seien die Fahrräder empfohlen, die am Haupteingang gegen eine Spende zu leihen sind.
Zweitens: Nehmen Sie unbedingt Wasser mit. Hier oben herrscht häufig windstille, die Temperaturen erreichen um die Mittagszeit daher auch in der Nebensaison empfindliche Höhen.

Mit dem Rad sehen Sie deutlich mehr von der Umgebung
Mit dem Rad sehen Sie deutlich mehr von der Umgebung

Bericht vom Besuch der Giara di Gesturi

Im Jahr 2019 habe ich die Hochebene mit ihren Pferden besucht – hier mein Bericht dazu:

Wir wollen uns der Hochebene der Wildpferde “Giara di Gesturi” vom Ort Gesturi aus nähern – hier soll der Zugang einfach sein und die Pferde verlässlich zu sichten. Der Plan geht auf. Innerhalb einer knappen Stunde erreichen wir den Ort. Wir organisieren eine Wegeplan für zwei Euro und bekommen noch viele Tipps vom örtlichen Wildhüter. Dann machen wir uns auf den fünf Kilometer langen Rundweg – leider ohne Wasser mitzunehmen.

Beim Wildhüter am Eingang gibt es einen Wegeplan
Beim Wildhüter am Eingang gibt es einen Wegeplan

Das Reservat ist herrlich. Dicht von Korkeichen bestanden und von Salamandern und Heuschrecken bevölkert, zieht sich die Landschaft über etliche Kilometer. Wir stoßen bald auf Spuren der Pferde – frische Pferdeäpfel, die wir aufmerksam untersuchen. Sie können nicht weit sein.

Dann, an einer nahen Futterstelle, sehen wir die erste Herde von etwa acht Tieren, die friedlich im Schatten der Bäume grasen. Wir beobachten still und fotografieren. Dann geht es weiter. Kaum 500 Meter entfernt entdecken wir die nächste Herde an ähnlicher Stelle unter den Bäumen. Die Misthaufen auf dem Weg werden von Mistkäfern bevölkert. Eine weitere Herde sehen wir an der Tränke. Langsam kommt die Mittagssonne und es wird heiß. Im Sommer muss die Luft hier flimmern vor Hitze. Hin und wieder pausieren wir im Schatten. Ich finde achtlos entsorgten Kork von einer der zahlreichen Korkeichen, die hier stehen und nehme ein Stück mit.

Plötzlich wiehert es hinter uns – ein schwarzer Hengst trabt eiligen Schrittes den Weg entlang. Wir gehen hinter einer Korkeiche in Deckung, aber der Hengst biegt bereits in die Sträucher ein, bevor er auf unserer Höhe ist. Offenbar sucht er nach seiner Herde.

Pferde inmitten der Korkeichen
Pferde inmitten der Korkeichen

Nach knapp zwei Stunden kommen wir wieder am Ausgangspunkt unseres Rundwegs an. Hier lassen sich auch Fahrräder gegen eine Spende mieten, das werden wir nächstes Mal tun, um unseren Aktionsradius noch etwas zu erweitern und etwas tiefer in diesen herrlichen Park einzudringen.

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