Bosa – Wein, Fluss und Meer unter dem Castello Malaspina

Wer dem Trubel entgehen möchte, der hat nur noch wenige beschauliche Orte an der Küste zur Auswahl. Bosa spielt in dieser Liga sicherlich ganz vorne mit. Idyllisch, ja fast romantisch liegt die kleine Stadt an der Mündung des Temo-Flusses, der das Leben hier seit jeder bestimmt.

Der Temo ist der einzige schiffbare Fluss auf Sardinien – ein Grund, warum bereits die Phönizier hier eine Siedlung gründeten. In der Folge avancierte Bosa zum wirtschaftlichen Zentrum der Planargia – der hiesigen Hochebene, die sich südlich von Bosa über etliche Kilometer erstreckt. Auch klimatisch ist die Gegend um Bosa durch den ganzjährig wasserführenden Fluss geprägt. Paradiesisches Grün prägt das Tal von Bosa, die Niederungen des Flusses sind von dichter Vegetation bestanden, die mithin nur als üppig sprießend bezeichnet werden kann. Die höheren Lagen ringsum sind vulkanischen Ursprungs und hochgradig fruchtbar. Hier gedeihen noch uralte Wälder, die selten Greifvögeln als Rückzugsgebiet dienen – eine der letzten Gänsegeier-Populationen Europas kann hier beobachtet werden. Die Berghänge indes sind mit Weinreben besetzt – hier wird der berühmte Malvasia di Bosa angebaut – ein goldgelber Wein von ansprechender Süße, den bereits die Römer zu schätzen wussten!

Il Castello di Malaspina

Bosa wird überragt von einer Schutzburg, die im 12. Jahrhundert vom Toskanischen Grafen Malaspina errichtet wurde, um die hiesigen Ländereien vor dem Zugriff der allgegenwärtigen Sarazenen bewahren sollte. Denn auch diese machten sich den schiffbaren Fluss zunutze, um mühelos in das Landesinnere vorzudringen. Das mittelalterliche Stadtviertel Sa Costa wurde direkt zu den Füßen der Burg errichtet – die Bewohner konnten sich im Falle eines Angriffs sofort hinter die Burgmauern flüchten. Der Grundriss des Castello di Malaspina ist viereckig und umschließt ca. 1 Hektar Grundfläche, das Castello wurde stetig erweitert und mit immer neuen Türmen ausgestattet. Der große Hauptturm aus rotem Trachyt wurde im 14. Jahrhundert erbaut. Wer das Castello besichtigen möchte, der kann es von der östlichen Altstadt aus ersteigen oder mit dem Auto sehr dicht an das Castello heranfahren und den Rest des Weges über wenige Treppenstufen zurücklegen. Von hier aus haben Sie einen herrlichen Blick über Bosa.

Castello Malaspina: Blick über Bosa

Sa Costa – Die Altstadt von Bosa

Auch in den Sommermonaten bieten die engen Gassen der Altstadt eine wohltuende Kühle. Der Untergrund ist mit kleinen Kieseln gepflastert, später wurden Granitplatten ergänzt, um Fuhrgespannen die Fahrt zu vereinfachen. Im Schatten der hoch aufragenden Häuser sind bis heute Frauen zu beobachten, die Sticken und Klöppeln – die kunstfertige Arbeit mit Textilien hat hier eine lange Tradition, die weiterhin lebendig ist. Hier und da trifft man auf kleine Obststände – hier wird die tagesfrische Ernte aus den rückwärtigen Gärten der Häuser feil geboten. Für einen Einkaufsbummel ist Bosa wie geschaffen – bester Ausgangspunkt und Flaniermeile ist die Corso Vittorio Emanuele mit ihren vielen kleinen Geschäften und Boutiquen.

Die Altstadt ist in den Berghang gebaut – die Gassen und kleinen Plätze sind daher durch viele enge Treppen miteinander verbunden, was einen Teil des Charmes ausmacht. In den schmalen und verwinkelten Gassen der Altstadt finden auch Feste mit viel Folklore statt – besonders der Karneval und das Fest Santa Maria del Mare (1. Sonntag im August) sind hierbei zu erwähnen.

Enge Gasse in der Altstadt von Bosa
Enge Gasse in der Altstadt von Bosa

Sas Conzas – Gerbereien am Fluss

In den Abendstunden erwacht auch die Promenade des Temo zu nächtlichem Leben. Die Sonne taucht das Gerberviertel Sas Conzas in ein warmes, einzigartiges Licht. Die gleichförmig wirkenden Häuser waren ab dem 17. Jahrhundert mit über 30 Betrieben ein Zentrum für die Lederverarbeitung, das in der gesamten Mittelmeerregion gehandelt wurde. Im Mueseo delle Conce kann heute ein rastauriertes Gerberhaus besucht werden, in dem die alten Maschinen und Werkzeuge gezeigt werden.

Bosa Marina – Seehafen und Strand

Südlich der Mündung des Temo wurde der Seehafen von Bosa angelegt, der durch den Torre Aragonese geschützt wird – bei diesem Wehrturm aus dem 16. Jahrhundert handelt es sich um einen der größten Sarazenentürme von Sardinien. Heute ist Bosa Marina besonders wegen der breiten Sandstrände bei Besuchern beliebt. Am Wochenende ist hier ganz Bosa auf den Beinen und errichtet sich eigene Burgen aus Sonnenschirmen und Klappstühlen – ein Stück sardischer Lebensart.

Die schönsten Strände bei Bosa

Neben den Stränden von Bosa Marina liegen weitere Strände in direkter Umgebung, die auch in den Sommermonaten etwas ruhiger sind

  • Der Spiaggia di S’Abba Druche liegt nördlich an der Straße nach Alghero. Der nahe Campingplatz macht diesen von flachen Felsen eingerahmten Strand zwar gut besucht, die Parkgebühren von 7 € verhindern aber den absoluten Besucheransturm. Der Strand ist saber, das kleine Fischrestaurant vor Ort ist empfehlenswert und hat den erfreulihe Nebeneffekt sanitärer Anlagen.
  • Der ebenfalls nördlich gelegene Strand Cala Cumpoltitu ist nur über einen engen Kletterpfad zu erreichen, der mit Kinderwagen oder viel Gepäck nicht zu meistern ist. Wer den Weg von 10 Minuten auf sich nimmt, wird mit einer spekatkulären Bucht belohnt, die in der Nebensaison sogar einsam sein kann. Hier gibt es keine Sanitären Anlagen – sorgen Sie für ausreichend Wasser und Sonnenschutz.
  • Südlich von Bosa liegt Porto Alabe mit seinem gleichnamigen Strand. Der Strand ist sehr lang, was auch im Sommer für eine gute Verteilung der Besucher sorgt. Am schönsten ist der Strandabschnitt ganz im Süden.
  • Wer etwas weiter fahren mag, der kann von Bosa aus auch den Strand S’Archittu erreichen. Das Felstor des Strandes ist eines der beliebtesten Fotomotive der Insel Sardinien. Noch weiter südlich liegt der Strand Is Arutas mit seinen weißen Quarzkieseln – ebenfalls eine absolute Empfehlung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.