Feste auf Sardinien – Besondere Kultur

Die Feste auf Sardinien werden mit voller Inbrunst gefeiert. Sie gehören fest zur sardischen Tradition und sind häufig religiöser Natur. Aber auch die Früchte des Landes werden regelmäßig gefeiert. Welches sind die besonderen Feste auf der Insel Sardinien?

In einer der zahlreichen Gemeinden auf Sardinien findet immer ein Fest statt – so wird zumindest behauptet. Und wirklich hat die Insel einige Anlässe zum Feiern.

Die bekanntesten Feste auf Sardinien

Diese Feste haben die größte Anziehungskraft – viele Söhne und Töchter der jeweiligen Orte kommen gar zu den jeweiligen Anlässen zurück auf ihre Insel,

Madonna del Mare e San Giovanni in Olbia

Als traditionsreiche Stadt finden in Olbia mehrere bedeutsame Feste statt:

  • Das Festa Manna de Mesu Maja ehrt den Stadtpatron San Simplicio. Es findet am 15. Mai statt und endet mit dem großen Miesmuschel-Fest Sagra delle cozze. Im Golf von Olbia sollen die besten Miesmuscheln des Mittelmeers wachsen.
  • Zur großen Bootsprozession zu Ehren der Madonna del Mare e San Giovanni finden sich alle Söhne und Töchter der Stadt hier ein, um die Madonna zu ehren – auch dieses Fest endet mit einem Festschmaus, das in erster Linie aus Fisch besteht.

Die Sagra di Sant’Efisio in Cagliari

  • Festliche Tracht in Cagliari
    Festliche Tracht in Cagliari

    Jedes Jahr im Mai findet in Cagliari das größte Volksfest der Insel statt: Die Sagra di Sant’Efisio ehrt seit nurmehr 350 Jahren den Schutzheiligen der Stadt. Der römische Legionär konvertierte zum christlichen Glauben und wurde dafür von den Römern enthauptet. Dieser Märtyrertod ist Anlass für das von tiefer Religiosität geprägte Fest. Eine Prozession zieht mit der Statue des Efisio über eine Wegstrecke von 65 Kilometern bis nach Nora, begleitet von Trachtengruppen, bunt geschmückten Fuhrwerken und Reitern. Nach zwei Tagen in Pula und Nora, die zu diesem Anlass on tausenden Pilgern besucht werden, findet das Fest am vierten Tag in Cagliari ihren Abschluss. Die Feierlichkeiten dauern jeweils vom 1. bis 4. Mai.

  • Die erste Septemberwoche bringt das Sagra del Pesce nach Cagliari. Im Fischerviertel Giorgino wird dann volkstümlich gefeiert, die Restaurants bieten besondere Fischgerichte an, die nach alter Familientradition zubereitet werden. Unter freiem Himmel wird genossen und geschlemmt. Hier kann der geneigte Besucher fast vergessen, dass die Küche der Insel sonst vorwiegend Fleischgerichte kennt.

Die Sagra delle Pesche in San Sperate

Die Gegend von San Sperate ist bekannt für seine riesigen Haine von Pfirsichbäumen und Zistrusfrüchte-Plantagen – der Ort selbst für seine Murales und Skulpturen, die das gesamte Dorf zieren. Mitte Juli lockt der Ort dann zahlreiche Besucher zum großen Pfirsich-Fest Sagra delle Pesche. Neben religiösen Prozessionen prägen typische Trachten und allerlei Folklore das Fest. Besonders interessant: Diverse Häuser und Gemeindegebäude stehen Besuchern als Ausstellungsräume offen.

Die Notte dei Poeti

Während der Sommermonate wird das römische Theater von Nora regelmäßig für Konzerte unter freiem Himmel genutzt – die Nacht der Poeten oder Notte dei Poeti. Besonders Jazz wird hier häufig dargeboten – jährlich im September findet dann das Nora Jazz Festival statt, das von hochkarätigen Musikern aus der ganzen Welt frequentiert wird.

Feste im Jahresverlauf

Auch Abseits dieser großen Ereignisse finden im Jahresrhythmus viele Feste auf Sardinien statt. Jeder Monat bietet seine ganz eigenen Gelegenheiten.

Im Januar findet das traditionelle Sant Antonio Abate statt. Am Abend des 16. Januar werden große Feuer aus aromatischen Hölzern entzündet, dabei wird reichlich gegessen, getrunken und getanzt. Am Tag des 17. Januar finden vielerorts Prozessionen zu Ehren des heiligen Antonius statt, der als Begründer des christlichen Mönchtums im 4. Jahrhundert gilt. Um sein asketisches Leben ranken sich vielerlei Legenden – angeblich sei er 105 Jahre alt geworden. Das Sant Antonio Abate gilt als Auftakt in den Karneval.

Im Februar dominiert der Karneval die Festivitäten auf Sardinien, der je nach Ort sehr individuell gefeiert wird. Häufig werden Reiterspiele veranstaltet, bei denen die jungen Männer der jeweiligen Region ihr Geschick beweisen.

In den Monaten März und April wird es dann religiös, denn Ostern und die Karwoche stehen an. Wie im gesamten südeuropäischen Raum wird auch auf Sardinien das hohe Fest mit allerlei Prozessionen gefeiert. Die größten Feste und Prozessionen finden am Ostermontag statt. Als besonders beeindruckend gilt das Lunissanti in Castelsardo. Bei einem Fackelmarsch, der sich über 10 Kilometer erstrecken kann, erklingen monotone Gesänge, die altertümlich anmuten.

Im Mai feiert Sardinien den Frühling – vielerorts finden hier regionale Feste statt. Die Sagra di Sant’Efisio ist oben bereits erwähnt, zur selben Zeit ist auch die Wallfahrtskirche San Francesco Zentrum von Festbanketten, Reiterspielen und Dichterwettbewerben. Am letzten Sonntag im Mai  ist Orosei der gesellschaftliche Mittelpunkt – hier hat es die Bootsprozession zu Ehren der heiligen Madonna des Meeres zu internationaler Bekanntheit gebracht.

Der Juni ist ebenfalls reich an Festen. Am ersten Sonntag zeigt sich Sardinien zum Fest der heiligen Katharina in traditionellem Gewand. Am nächsten Tag ist es die Madonna di Martiri, die alle Sarden auf die Straßen zieht. Ebenfalls im frühen Juni findet in San Leonardo de Siete Fuentes der älteste Pferdemarkt auf Sardinien statt.

Im Juli begibt sich wer kann nach Sedilo, wo am 6. und 7. Juli ein furioses Reiterfest gefeiert wird. Wilde Reiter preschen durch die Straßen, während abseits davon gegessen und getrunken wird. Wer Nougat mag, dem sei die Nougatwoche Sagra del Torrone in Tonara empfohlen, die in der zweiten Juliwoche stattfindet. Und auch Villasimius meldet sich im Juli mit dem Fest der Madonna der Schiffbrüchigen zu Wort.

Im August ist Christi Himmelfahrt, was in vielen Orten auf Sardinien gebührend begangen wird um immer prächtig und farbenfroh abläuft. Rund um dieses Datum finden verschiedene weitere Feste statt. Das Kerzenfest in Sassari hat seinen festen Platz im Jahreskalender ebenso wie die Wallfahrt zur Kirche Madonna de su Monte bei Nuoro am letzten Sonntag im August.

Der September gehört Cabras, denn hier findet am ersten Sonntag des Monats das Fest des heiligen Salvatore statt, an dem in der gleichnamigen Kirche zuerst der Gottesdienst und später das beliebte Volksfest zelebriert wird. Elf Tage lang, vom 7. bis 17. September, dauert indes in Bortigali das Fest der Madonna von Rimedio an. Ungeschlagen ist allerdings Orosei – der charmante Ort weist im September gleich 18 Festtage aus.

Im Oktober sind die Feste zu Ehren des heiligen Francesco in Ala di Sardi und des heiligen Bachisio in Bolotana fester Bestandteil. Auch bei Touristen hoch im Kurs steht die Kastanien- und Haselnussernte, die am letzten  Sonntag des Oktober in Aritzo gefeiert wird. Hier wird über zwei Tage geschmaust, was Küche und Keller hergeben – die Nüsse werden dabei fast zur Nebensache.

Im November werden die Feste auf Sardinien still und nachdenklich, denn hier wird der Verstorbenen gedacht. Am 2. November wird allerorts Pasta zubereitet – sie wird aber nur gekostet und dann zu Ehren der Toten geopfert. Das Martinsfest am 11. November wird besonders in Bessude und Sanluri mit feierlichen Prozessionen und großem Feuer begangen. Nach dem Umzug stehen üppige Festessen, Volkstänze und Dichterwettbewerbe auf dem Programm. Der November endet mit dem Fest zu Ehren des heiligen Andreas. In Bono ziehen die Kinder des Ortes mit handgefertigten Kürbislaternen durch die schmalen Straßen und sorgen so für eine frühe Form des Halloween.

Der Dezember steht ganz im Zeichen des Weihnachtsfestes, das vielerorts durch vorweihnachtliche Festlichkeiten vorbereitet wird.

 

 

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