Willkommen auf Sardinien

Sardinien – das steht für Traumstrände wie in der Südsee, für wilde Berglandschaft, für Sonne und das Mittelmeer. Einst als karge Insel mit rauen Sitten bekannt, hat sich Sardinien zu einer Perle des Mittelmeers gewandelt.

Sardinien rückt dem geneigten Entdecker immer mehr in das Bewusstsein. So ging es auch mir – und ich habe entschieden, etwas neues zu wagen und nach Sardinien zu reisen.

Sardinien – Details zur Insel

Sardinien ist nach Sizilien die zweitgrößte Insel des Mittelmeers. Ihre Fläche beträgt mehr als 24.000 km². Damit macht die Insel 8% der Gesamtfläche Italiens aus. Auf dieser Fläche leben 1,65 Millionen Menschen – eine der Regionen Italiens mit der niedrigsten Bevölkerungsdichte. Zum Vergleich: Die nicht eben kleine Insel Mallorca kommt auf 3650 Quadratkilometer.

Sardinien liegt südlich von Korsika, getrennt durch eine 12 km breite Meerenge. Nordafrika ist 185 km entfernt, das italienische Festland hat einen Abstand von 200 km. Damit ist Sardinien die abgelegenste aller Mittelmeerinseln.

Sardinien hat viel hügeliges Flachland – durchschnittlich liegt die Insel etwa 200 Meter über dem Meeresspiegel. Dabei wird die Insel allerdings von mehreren Gebirgsketten durchzogen, die mit dem Auto teils mühsam zu befahren sind. Im Norden erstreckt sich der Monte Limbara mit 1300 Metern Höhe, im Osten trifft man auf den Monti del Gennargentu mit 1800 Meter hohen Gipfeln, dessen Ausläufer die Inselmitte dominieren.
Die Serpentinen durch die Berge sind nichts für Menschen mit empfindlichen Mägen. Gleichsam sorgt diese Landschaft für spektakuläre Ausblicke, zumal Verwitterung über Jahrmillionen für gigantische Felsformationen gesorgt hat. Diese Felsformationen setzen sich bis an die Küstenlinine fort und sorgen dort im Zusammenspiel mit dem herrlichen Wasser für das karibische Flair an den Stränden.


Sardinien – das Land der Hirten

Sardinien ist felsig und entsprechend karg. Zu 75% besteht die Oberfläche aus Granit- und Schiefergestein. Die Bevölkerung, die in früheren Zeiten noch mehr als heute auf die Landwirtschaft angewiesen war, hatte Mühe, dem Boden ausreichend Ernte abzuringen. Anspruchslose Nutztiere waren die Lösung – Sardinien wurde zur Insel der Hirten. Das schlägt sich in der Küche der Sarden nieder, die vornehmlich einfache Gerichte mit Brot, Käse, Gemüse, Pasta und Fisch kennt.

Bis heute ist die Landwirtschaft der bedeutsamste Wirtschaftsfaktor, der mehr Arbeitsplätze stellt als der Tourismus. Heute weiden 3,5 Millionen Schafe auf Sardinien, dazu kommen 2 Millionen Kühe und hunderttausende Ziegen.  Die Tiere werden zumeist auf wilden Weiden ohne Zäune gehalten, auf denen allerdings auf Grund der Kargheit massiv zugefüttert werden muss. Die Hirten erkennen ihre Tiere am Geräusch der Glocken – jede Herde hat ihre eigene Tonhöhe. Die Herstellung dieser Glocken ist noch immer eine hohe Handwerkskunst. Eine weitere Besonderheit: Das Weideland ist kein Privateigentum sondern gehört der Gemeinschaft in Form der jeweiligen Gemeinde. Jeder Hirte führt je Tier eine gewisse Abgabe an die Gemeinde ab und erwirbt somit das Nutzungsrecht. Eine starke Gemeinschaft ist die Folge, da das Land und seine Fläche in hohem Maße gemeinschaftlich verwaltet werden.

Man kann sich ausmalen, wie karg die Erträge der Viehzucht waren, als mangels Futter nicht zugefüttert werden konnte. Spricht man mit den Alten, so erinnern sich diese an harte Zeiten. Ein gängiges Gericht im Hinterland war ein Brei aus Eicheln und Erde (!), die gemeinsam gekocht, vermengt und als eine Art Kuchen serviert wurde. Wer an der Geschichte der Hirten interessiert ist, der werfe einen Blick auf die Historie der Ortschaft Orgosolo, die bis heute symbolisch für die Kultur der Hirten steht.

Sardinien – Regionen und Provinzen

Sardinien bietet Vielfalt – vielfältige Landschaft mit Bergen und Wäldern, Sonne, Strand, Meer und mediterraner Lebensart. Die Insel wird als autonome Region weitestgehend selbstständig verwaltet und ist in folgende Provinzen gegliedert:

  • Die Provinz Cagliari rund um die gleichnamige Stadt, die das wirtschaftliche Zentrum der Insel darstellt. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Stadt einen beachtlichen Zustrom erlebt – Sarden aus dem ärmlichen Hinterland strömen in der Hoffnung auf ein besseres Leben in die Metropole. Das führt zu schnellem Wachstum und bringt vielerlei Probleme mit sich – so greifen Alkoholismus und Arbeitslosigkeit um sich. Die Region rund um die Hauptstadt bietet gleichsam hübsche Strände und die Traumstraße der Insel entlang der Südküste.
  • Die Provinz Nuoro umfasst weite Teile der Ostküste sowie die wilde Berglandschaft Barbagia rund um das Gennargentu-Massiv. In diesem “Land der Barbaren”, wie die Römer die Region gleichsam achtungsvoll wie abwertend benannten, schlägt das unnachgiebige Herz der Bergsarden, die sich der Herrschaft der Römer niemals unterwarfen. In dieser Region treffen Sie auf besonders alte und archaische sardische Dialekte und Hirten, die noch die alten Riten pflegen. Die Ostküste hält außerdem schöne Strände bereit – hier liegen die berühmten Strände entlang der unzugänglichen Steilküste, die häufig ausschließlich per Boot erreichbar sind.
  • Die Provinz Sud Sardegna ist erst 2016 aus der Reform einer Verwaltungsreform hervorgegangen – die Bewohner zeigten sich mit der neuen Aufteilung unzufrieden, und es entstand großes Chaos in den Verwaltungen. Die Region umfasst nach der Reform der Reform nun den Süden der Insel, mit Ausnahme der Region um das Zentrum Cagliari, die ihre eigene Provinz bildet. Im Norden und Osten bilden Gebirgszüge die natürliche Grenze dieser Provinz. Neben herrlichen Badestränden an West- und Ostküste bietet die Region durch die Gebirgsausläufer attraktive Wanderrouten.
  • Die Provinz Oristano grenzt die westliche Küste der Insel ein. Die Region rund um die gleichnamige Hauptstadt ist die Kornkammer der Insel. Dazu tragen die fruchtbare Region um die Mündung des Flusses Tirso sowie die Ebene von Campidano. Entsprechend bäuerlich ist die Attitüde der Bewohner – was nicht negativ gemeint ist, gleichsam die Bewohner der anderen Provinzhauptstädte immer etwas über die “kleine Schwester” Oristrano schmunzeln lässt. Die Region ist eher abgelegen und wird touristisch nur wenig frequentiert.
  • Im Norden von Sardinien liegt die Provinz Sassari, die sehr vielfältig daher kommt. Die Küstenregion Costa Smeralda mit ihren großartigen Stränden ist die Region der Villen und Prachtbauten, der Sardinien ein zwiespältiges Luxus-Image beschert hat. Gleichsam findet man hier eine große Dichte steinzeitlicher Bauten der Nuraghen-Kultur. Die vorgelagerte Insel La Maddalena ist ein Naturdenkmal, das seinesgleichen sucht.

Sardinien – Kurzer Exkurs in die Geschichte

Sardinien ist seit dem Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren besiedelt. Am Ende der Bronzezeit (ca. 1000 v. Chr.) legten die Phönizier Häfen an, der Handel florierte. Anschließend wurde Sardinien von Karthago erobert (500 v.Chr.) – bis diese wiederum durch die Römer besiegt wurden. Begehrlichkeiten weckten immer die reichen und leicht zugänglichen Erzvorkommen im Hinterland.  Das Mittelalter stand unter dem Zeichen der italienischen Stadtstaaten – Pisa und Genua galten hier als wirtschaftlicher Eigentümer der Insel. Im 14. Jahrhundert eroberte schließlich das erstarkte Spanien die Insel, die somit spanisch wurde. Die Spanier wurden sich jedoch über die Erbfolge nicht einig, es kam zum Krieg – im Zuge dessen die Insel an das Herzogtum Piemont-Savoyen fiel, jedoch als eigenständiges Königreich galt. Die herrliche Insel liegt an einem Scheideweg, an dem sich die großen Handelsrouten des Mittelmeers kreuzen. Im Süden der Insel sind vielerlei Einflüsse aus dem nahen Afrika zu beobachten, nicht zuletzt erkennbar an den Zutaten der klassischen Gerichte.

Die wechselnden Herren der Insel hinterließen ihre Spuren auch in dem Gemisch aus verschiedenen Dialekten und Sprachen, die auf der Insel zu finden sind. Selbst die Architektur ist eine Mischung verschiedener Einflüsse: Im Norden der Insel sind weitläufige Straßenzüge in französischem Stil anzutreffen – Zentrum dieser Architektur ist  die Universitätsstadt Sassari. Der Westen um die Stadt Alghero mit seiner unbedingt sehenswerten, malerischen Altstadt ist eine Insel der katalanischen Sprache – noch heute sind die Straßenschilder hier zweisprachig. Und die Hauptstadt Cagliari wurde gar von Phöniziern begründet – sie liegt naher an Afrika als am italienischen Festland.

Sprachen und Dialekte auf Sardinien

Die sardische Sprache, die limba sarda, hat auffallend viele Elemente der lateinischen Sprache bewahrt, was an vielen Wortstämmen erkennbar ist. Außerdem werden katalanische und spanische Einflüsse deutlich. Im Jahr 2006 wurde eine gemeinsame sardische Schriftsprache – die Limba Sarda Comuna – eingeführt, die allen Dialekten gerecht werden soll. Im groben lassen sich 3 klassische sardische Dialekte unterscheiden:

  • Campidanesisch greift auf viele katalanische und spanische Vokabeln zurück. Bis heute ist es besonders im Westen der Insel verbreitet.
  • Logudoresisch hat stark lateinische Einflüsse und wird im Norden lebendig gehalten.
  • Galluresisch oder Nuoresisch geht auf die Genuesen und Pisaner zurück, die Sardinien über Jahrhunderte in Besitz hatten. Es ist in der nördlichen Inselmitte verbreitet.

Sardinien – Flora und Fauna

Durch intensive Jagd wurden die heimischen Säugetiere fast gänzlich ausgerottet. Das Sardische Wildschwein ist bisweilen noch am Rand der letzten Waldflächen zu sehen.  Sardischer Hirsch und Damwild wurden mühsam in der Region um den Monte Arcosu angesiedelt, der als Naturpark ausgewiesen ist. Vögel, Insekten und Reptilien lassen sich indes mühelos beobachten. Neben vielen Libellen und Schmetterlingen bevölkern zahllose Eidechsen die Insel. Es sind verschiedene Arten, die jedoch für den Betrachter ohne Studium der Zoologie kaum voneinander zu unterscheiden sind. Auch Schlangen aus der Familie der Nattern sind zu sehen. Die Schlangen sind allesamt harmlos – auch wenn man der Gelbgrünen Zornnatter ob ihres Namens ein gewisses Maß an giftiger Agression zutrauen würde.

Bemerkenswert sind die recht großen Flamingo-Populationen der Insel. Die Tiere bleiben heute mehrheitlich ganzjährig auf der Insel und verzichten auf den herbstlichen Flug nach Afrika.

Die Bewaldung der Insel wurde seit dem 19. Jahrhundert dramatisch reduziert. Dennoch trifft man vielerorts auf kleinere Waldgebiete. Bis zur mittleren Höhenlage dominieren dabei Eichenwälder. Die Korkeiche ist so etwas wie der sardische Nationalbaum, voller Stolz werden Teile der Borke auf Märkten und in Souvenirshops feilgeboten – die Rinde der Korkeiche kann alle 10 Jahre geerntet werden und ist ein Exportschlager der Insel. Neu aufgeforstete Flächen tragen Pinienarten, besonders die Aleppo-Kiefer gedeiht wie im gesamten Mittelmeerraum prächtig, denn sie kommt auch mit ausgedehnten Trockenperioden gut zurecht.